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Grievance Log I

29. Dezember 2011

Das klingt vielleicht oberflächlich, aber man muss sich um die Oberfläche kümmern, dann kommt man besser an die Unterfläche heran. (Karl Lagerfeld)

Eigentlich wollte ich dieses Zitat einer kleinen Abhandlung über die Freuden des Dandyismus bzw. seiner hübschen Schwester, des Quaintrellismus, voranstellen. Im Moment aber drängt es sich mir im Zusammenhang mit einem sogar sprichwörtlich nur oberflächlichen und philosophisch völlig ununterfütterten Thema auf: Nagellack. Lasst mich also ein rasches Gezeter anstimmen.

Das Auftragen von Nagellack, wenn man es nicht gewohnt und keine mit Stunden und Tagen voll Freizeit gesegnete antike Monarchin ist, bildet nämlich einen Teufelskreis: Zunächst muss er natürlich trocknen, der Nagellack, und zwar einige Minuten, in denen man nichts, aber auch gar nichts mit den Nägeln anstellen kann außer dem behutsamen Zuschrauben des Nagellackfläschchens und vielleicht sehr vorsichtigem Tippen. Etwas aufnehmen oder hochheben? Nicht auszudenken!

Damit ist es aber noch längst nicht getan: Es schließen sich gefühlt (und womöglich auch tatsächlich) Stunden an, in denen der Lack zwar fest, aber noch nicht ganz ausgehärtet und dementsprechend hochanfällig für Kratzer und Druckstellen aller Arten ist. Fasst man also anderthalb Stunden nach dem Lackieren der Nägel unvorsichtig z.B. in eine Handtasche oder eine Besteckschublade, hat man den Salat.

Den bessert man dann natürlich aus, indem man den entsprechenden Nagel ablackt oder gar mit der Nagelfeile abflacht, um eine neue Schicht aufzutragen. Welche die ganze Chose natürlich um einen erneuten unbestimmten Zeitraum verlängert, in dem man sich von Neuem winzige Makel zuziehen kann … usw. usf. Besonders bösartig sind übrigens Klebestreifen, die einem eine mehrere Stunden alte Lackschicht glatt vom Nagel ziehen, wie es mir einmal mit einem fiesen Biest von einer selbstklebenden Briefmarke widerfahren ist. Kein schönes Gefühl.

Darüber wollte ich mich nur mal rasch aufregen. Das klingt jetzt vielleicht oberflächlich, aber: Hört auf Karl Lagerfeld.

2 Kommentare leave one →
  1. 31. Dezember 2011 1:37 pm

    Was ist dieser ‚Quaintrellismus‘? Google findet zu diesem Begriff nur diesen Blog.

    • 31. Dezember 2011 2:12 pm

      Zur englischen Schreibweise müsste eigentlich einiges zu finden sein. Der Begriff bezeichnet ein feminines Pendant des Dandyismus (mit entsprechend eigenen ästhetischen Maßstäben und Lebensstilimplikationen bei ähnlichen Werten und Einstellungen); ich weiß nciht, wer ihn erfunden hat, und verwende ihn eigentlich auch nur, weil er so hübsch klingt.
      Vielzitiertes historisches Beispiel war Marchesa Luisa Casati. Zum Beispiel.

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