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Eklektizismus

30. November 2011

Heute soll es um Musik gehen. Ein etwas allgemeinheitsfähigeres Thema vielleicht als die allzu versponnene Philosophiererei in letzter Zeit, bei der ständig irgendwie von Leben und Sterben, gelegentlich auch von Stress und Kindheit die Rede war, die wohl jeweils jeder hat, ohne aber darüber ausgiebig reflektieren zu müssen. Ganz anders der Musikgeschmack, ohne dessen Entwurf es sicher keiner durch die Adoleszenz schafft.

Der meine war mir ja zwischenzeitlich abhanden geraten, nachdem ich meine Schulzeit beendet hatte: einfach so. Vielleicht fehlte schlicht das Regulativ der Altersgenossen: Meine ersten universitären Kontakte erschütterten mich noch mit ihrer Bereitschaft, ihre abendlichen Trinkgelage auch von mittelmäßiger Musik untermalen zu lassen, und bald stellte sich in Ermangelung von Austauschpartnern ein gewisses Desinteresse meinerseits an der aktiven Verfolgung besonders guter Sachen ein, auch wenn ich für schlechte weiterhin je nach Kontext durchaus (über-)empfindlich blieb. Im Prinzip mochte ich ein überschaubares Maß an Musik sehr gerne, hörte es aber auch nur in überschaubarem Umfang (tatsächlich war ich auch im Verlauf dieser Jahre nur auf zwei Konzerten, DJ-Darbietungen zum vordergründigen Zwecke des Abtanzens statt des Zuhörens nicht mitgerechnet). Mir fehlten ja die morgendlichen Busfahrten und sonstige Anlässe, mir zu vergegenwärtigen, was es auf meinem iPod, der übrigens im bewussten Zeitraum schleichend kaputtging, überhaupt noch zu hören gab.

Dann aber entwickelte ich in Einheit mit einer gedeihlichen Vorliebe für richtiges Weggehen, also Feierngehen, Trinkengehen und vor allem halt Tanzengehen, eine ebensolche für Tanzbares; ich entdeckte zwischendurch eine Handvoll jazziger Melodien für mich (weswegen ich zwar nicht von mir behaupten würde, ich möge Jazz an sich, was mir überhaupt in etwa so wenig sinnhaft vorkommt wie die Aussage, man möge Pop an sich oder Klassik an sich); ich hörte die Klavierstücke, die ich spielte; und mich immer wieder mal ließ ich mich von einem mehr oder minder im Mainstream zu verortenden Liedchen dergestalt hinreißen, dass sich all diese Puzzleteilchen von Neuem zu einem teils eklektischen, teils regelmäßigen Gesamtbild zusammensetzen, das man nun doch wieder einen dezidierten Musikgeschmack nennen kann. Er überschneidet sich durchaus mit den Klängen meiner Jugend, auch wenn ich aus einigem herausgewachsen bin: So habe ich bspw. schon von Jahren den Anspruch Indie zu sein mit ziemlicher Entschiedenheit hinter mir gelassen. Die Folge ist, dass meine liebsten Künstler so schön spektral verstreut sind wie Placebo, Sieben, Goldfrapp, the Velvet Underground, Caravan Palace, Lady Gaga, Art Brut, die Beatles, Muse, Alkaline Trio und Pendulum.

Vor einigen Tagen habe ich mir für die klangliche Untermalung von Zug- und Autofahrten (für letztere hatte ich im letzten halben Jahr unverändert dieselbe zufällig aus einer von meinem Bruder erstellten und von eben dem mit Gedöns 1 bis 6 betitelten Sammlung ausgesuchte CD und darauf sogar vornehmlich zwei bis vier Lieder in endloser Wiederholung gehört – weite Streckenfahrten hatte ich glücklicherweise in derartiger klanglicher Abwechslungsarmut nicht zu bestreiten) aus diesem Genreverhau zwei Wiedergabelisten für den telefonfähigen Ersatz des kaputten Gerätes fabriziert, welche die herrlich unerklärlich bezeichnenden Namen Glitter und Gold tragen. Tendenziell ist die erstere wohl von elektrischerem Charakter als die zweite, aber exakter kann ich die Kategorien auch nicht rationalisieren. (Einige Lieder doppeln sich, wie z.B. Venus in Furs, Utopia, Desire Rite und Space Monkey. Wem das was sagt, der kann sich freuen, und gehört hoffentlich der Mehrzahl an.)

Eine mythenmetzsche Abschweifung an dieser Stelle: Daraus, dass ich von der aphoristischen und anekdotischen Weltanschauung in die Erlebniserzählung, ja in die Auflistung von Titeln verfalle, lässt sich wohl ableiten, dass ich bei dem Thema mit meinem Geistreichtum am Ende bin. À propos: Vielleicht sieht man meinen Einträgen an, dass ich nie so recht weiß, wie ich sie abschließen soll. Am liebsten verzichte ich ganz darauf und stelle einfach nach einem Satz, der mir zufällig besonders gut gefällt, das Weiterschreiben ein, gleich wie erschöpfend oder systematisch ich das jeweilige Sujet, wenn es denn eines gab, behandelt habe. Aber da geht es ja schon los: Ich schreibe eben eh nicht systematisch. Meine Liebeserklärung an die fragmentarische Form war ja nicht einfach so dahingeschwärmt damals. Oder eben doch, denn dergestalt kam sie zustande, wie auch dieser Artikel nun endet: einfach so.

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