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horror vacui

20. November 2011

Gestern fand dieses faszinierende und so wunderbar selbstbezügliche Thema kurz Erwähnung. Seither überlege ich immer wieder, was das denn eigentlich ist, so eine Schreibhemmung. Natürlich habe ich welche, zuhauf. Nur äußern sie sich nie darin, dass ich eigentlich weiß, was ich schreiben will, und nur keine Worte zu Papier bringe: Das Gegenteil ist der (beinahe ausnahmslose) Fall. Viel häufiger weiß ich nämlich eigentlich, dass ich schreiben will und wie – nur was? Mir fehlen Ideen. Vor allem auch fehlt mir die Beharrlichkeit, eine zu verfolgen, bis ein Text daraus geworden ist, und dabei geht es noch nicht einmal um die Korrektur eines Manuskriptes, sondern einfach nur um seine Anfertigung: Kaum ein Einfall, wenn ich denn schon mal einen habe, reißt mich dergestalt hin, dass mich der Schaffensdrang überkommt; das hat zur Folge, dass einen Teil des Dokuments, in dem ich diesen Blog stückweise entwerfe, eine kleine Liste von lauter un- oder nur halb in Artikeln ausgearbeiteten Themen bildet.

Vielleicht bin ich der geborene Geisterautor, wenn ich im Prinzip schon schreiben kann und will, aber eben nichts zu schreiben habe, oder jedenfalls nichts, was ich für schreibenswert halte. Eine Bekannte von mir, ein bemerkenswertes Geschöpf mit italienischen und amerikanischen Wurzeln, das gleichzeitig mit großem Erfolg in Oxford studiert, fremde und eigene Romane schreibt, Theater spielt, Theater schreibt und Theaterregie führt, ständig mit irgendwem Kaffee oder Portwein trinkt und seine Ferien ausnahmslos damit verbringt, ruhelos im Nahen Osten, Südeuropa und Nordafrika umherzustreifen und dabei das Schriftstellertum sowie Kaffee und Portwein nicht aussetzen lässt, diese Bekannte jedenfalls kann ich mal fragen, wie sich das mit dem Ghostwriting so gestaltet. Vielleicht hat ja auch einer der hiesigen Schreibwütigen (von solchen dürfte es doch unter euch, geneigte Leserschaft, wimmeln?) Meinungen oder Erfahrungen zu und mit dieser zwielichtigen Zunft.

… bis mein Schreiben aber die literarischen Konzepte anderer – oder eben sogar plötzlich auftauchende eigene – zum Leben erwecken darf, so lange tippe und kratze ich halt weiter sporadisch und in ideenarmer Wortgewalt auf diesem Blog und einem papierenen Notizbüchlein (dessen zauberhafte Aufschrift sich übrigens als Zitat im oben verlinkten Eintrag findet) herum.

Frei nach der schönen Erklärung eines lieben Freundes:

Ich schreibe für mich. Aber der Rest kann das schon auch abbekommen.

7 Kommentare leave one →
  1. 20. November 2011 2:10 pm

    Als einer, der zwar für sein Leben gerne schreibt, aber leider außerdem für sein Leben ungerne noch einer richtigen Arbeit nachgehen muss, hasse ich diese Personen, die bei Facebook solche Meldungen schreiben wie „Die Jamsession gestern war der Hammer. Sitze jetzt in einem Café in der Nähe des Times Square. Roman geht gut voran. Heute zwar nur drei Seiten, aber dafür sehr nett mit mit Paula Volski über ein eventuelles gemeinsames Projekt geplaudert.“ mit einer Inbrunst, wie nur durch kein edles Gefühl verunfreinigter Neid sie hervorzubringen vermag.
    Ähm. Was war die Frage?

  2. 20. November 2011 11:29 pm

    Das kann ich gut nachvollziehen. Bei allen obigen Überlegungen habe ich außen vorgelassen, dass mir für meinen Teil eh Muße und dementsprechend auch der Fokus auf die Kunst fehlen, die ernsthaftes schriftstellerisches Schaffen (und schnöderweise auch regelmäßige Blog-Updates) bedingen. Das mit der richtigen Arbeit schränkt einen da schon ein.
    Man sollte einfach zwischendurch mal einen Bestseller veröffentlichen, danach kann man es sich nämlich auch leisten, so durch Cafés am Times Square zu geistern und dergleichen. Nur dass man eben zum Schreiben desselben teufelskreismäßig am besten ein Jahr in solchen Cafés bräuchte. Ach!

    • 20. November 2011 11:36 pm

      Ich fürchte, bei mir würde sogar ein bisschen Disziplin schon reichen.
      Ist ja nicht so, dass ich nicht eine ganze Menge fast fertige Bücher hier liegen hätte…

      • 21. November 2011 1:17 am

        Disziplin wird überschätzt, wenn es um Kunst geht, finde ich. (Aber vielleciht kann ich mir auch nur leisten, das zu finden, weil ich eben keine ordentliche Vollzeitkünstlerin bin.)
        – vor allem wenn man dem Werk anmerkt, dass es dienst-nach-vorschriftsmäßig vollendet wurde: Das ist traurig, wenn aus inspiriert Geschaffenem dann pflichtschuldig Abgefrühstücktes wird.
        Dann doch lieber ein paar Wochen brotloses Caféflanieren dazwischen schieben, solange man keinen Verleger im Nacken hat oder sonst wem Loyalität schuldig ist als sich und der Literatur.

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  3. Lebenszeichen | modernisma

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