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serieller Lebenssinn

11. August 2011

I live halfway between reality and fantasy at all times because I choose to, and anyone can choose that, and I believe everybody has something so magical about themselves and why, as a society, are we so afraid of magic? Why is magic synonymous with artifice? Why is the fantastic synonymous with a lie? If art is a lie, then I will tell that lie every day until it’s fucking true (Lady Gaga)

Immer wieder entdecke ich Serien, die mich begeistern, und zwar am liebsten dann, wenn sie schon lange genug ausgestrahlt werden, dass ich mich in einen binge gleich mehrerer – manchmal aller – Folgen und Staffeln in zeitlicher Raffung und Bündelung stürzen kann. (Das Internet macht’s möglich.) Eine Kehrseite hatte die Medaille dieses einnehmenden Enthusiasmus bis vor kurzem, als ich studiert habe und solcherlei mit Konsum gefüllte Tage und Wochen in aller Regel meiner eigentlichen Arbeit entgegen wirkten; glücklicherweise schaffte ich es bald, sie von einer guilty pleasure zur im weiteren Sinne literarisch und anderweitig bildenden Bereicherung umzudeuten.

Vor allem aber bin ich immer wieder profund betrübt, wenn dann auf einmal binnen weniger Wochen alle vier bis sieben Staffeln der bewussten Sendung vorbei sind und, nachdem ich mich eben diese paar Wochen an mindestens ein dreiviertelstündiges Episödchen pro Tag gewöhnt hatte, monatelang erst mal gar nichts kommt. Gestern beispielsweise habe ich die letzte Folge der fünften Staffel von Dexter zu Ende gesehen – extra zerstückelt auf drei Tage verteilt (so lange hatte ich nicht allzu lange zuvor, wenn ich mich recht erinnre, für die ganze erste Staffel gebraucht) – und bin nun zwar noch in kein düsteres Loch gefallen, frage mich aber doch, an welches neue televisionäre Kunstwerk (denn als solche nehme ich, wie angedeutet, fast alle meiner Lieblingsserien durchaus ernst) ich bis Oktober andocken kann, ob ich stattdessen lesen, schreiben oder ganz unliterarisch und realitätsnah bleiben soll.

House geht erst im Herbst weiter. Mad Men auch. Sogar South Park, in Dreiteufelsnamen, hat eine Überraschungssommerpause inmitten der aktuellen Staffel angebrochen und in der letzten Folge auch noch einen scheinbaren Abschiedsgruß ausgestrahlt. Da habe ich nun also Zeit, die ich dergestalt vertun kann, und außerdem jegliche Schuldgefühle, ich sollte sie doch eigentlich lieber irgendwie sinnvoll verbringen (was auch immer sinnvoll eigentich heißen mag), durch die Überzeugung ersetzt, dass Literaturgenuss auch in seriell verfilmter Form sich lohnt – und nun habe ich sie alle durch.

Der Titel dieses Eintrages ist übrigens bloß aus Jux und Tollerei so dramatisch ausgefallen. Aufgehen kann man (und gerade ich) schon in solchen Zeitvertreiben, muss man aber ja auch nicht immer.

6 Kommentare leave one →
  1. 11. August 2011 6:23 pm

    Tremé.

    • 13. August 2011 2:04 am

      Danke für den Tip. Ich hab mal nachgesehen, was das ist, und vermisse noch ein wenig Schrulligkeit bis Soziopathie – gibt’s da entsprechende Charaktere?
      Oder natürlich wunder-, wunder-, wunderschöne Kostüme und Cinematographie.
      Die Sopranos sollen ja auch so gut sein. Die erste Folge hat mich aber irgendwie nicht überzeugt.
      Ich schau bei Gelegenheit jedenfalls mal rein!

      • 13. August 2011 10:07 am

        Schrullige Charaktere gibt es reichlich Soziopathie eher nicht, aber das ist als diagnostischer Terminus ja ohnehin obsolet.
        Ich kenne deinen Geschmack nicht gut genug, um eine fundierte Empfehlung abzugeben, aber ich persönlich liebe auch Firefly (SF, aber ich finde, wer seine Unterhaltung nach Genres auswählt, mach was falsch) und Terminator: Sarah Connor Chronicles. Letzteres ist dabei die deutlich schwächere Serie, und man muss sich ein bisschen reinsehen. Richtig toll wird erst die zweite Staffel. Firefly hat jeder großartig zu finden, die Terminator-Serie mag man nur, wenn man Summer Glau verehrt.
        Von den Sopranos würde ich auch eher abraten. Hat mich gar nicht begeistert.
        Wie stehst du tendenziell zu Burn Notice?

      • 13. August 2011 10:09 am

        Ach so, liebe Güte, das allerbeste habe ich vergessen: Pushing Daisies. Falls du’s noch nicht kennst, solltest du das unbedingt ändern.

      • 13. August 2011 1:16 pm

        Ah. Burn Notice: Auch mal anschauen. Firefly: Vielleicht. – Ich glaube, ich bleibe mit Pushing Daisies und übrigens auch Six Feet Under mal beim Schwarzhumorigen, da gibt es nämlich, wie mir inzwischen klar wird, erfreulcih viel, das ich noch gar nicht kenne. Herzlichen Dank noch mal!

Trackbacks

  1. nicht dem Leben mehr Tage: den Tagen mehr Leben « modernisma

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