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das Wetter

10. August 2011

Nach der Tiefgründigkeit der letzten Einträge dachte ich mir, ich rede einmal darüber.

Natürlich kann sich auch hier politischer Zündstoff einschleichen, zeichnet doch für die häufigen Unwetter und den täglichen Regen in diesen Breitengraden bestimmt auch wieder der vielzitierte Klimawandel verantwortlich. Zu dem habe ich übrigens keine ausgegorene Meinung, außer dass die Forderung, den Planeten zu retten, in diesem Zusammenhang eine ziemlich unsinnige ist, will man doch nur den Planeten für die Menschheit möglichst lebensfreundlich erhalten. Ein bisschen globale Erwärmung juckt ja den Globus selber nicht. Wohl aber gefährdet sie Tiere, und die aktuelle Artenvielfalt zu bewahren stellt interessanterweise trotz der Tatsache, dass deren Wandel und das damit einhergehende Aussterben von auch sehr charismatischer Fauna bisher selbstverständlich zur Erdgeschichte gehört hat, ein völlig fragloses Ziel menschlichen und politischen Handelns dar. – Nicht dass ich dafür wäre, Eisbären, Tiger, Leoparden, Pandas und anderes flauschige Getier auszurotten, keineswegs. (Was gewisses stechendes bzw. unappetitliches Ungeziefer anbelangt, ist meine Haltung zugegeben eine andere, aber auch da gehören ja irgendwelche Ökosysteme erhalten – womit wir eben wieder beim Thema wären:) Ich frage mich, warum es als moralische Pflicht der Menschheit gilt (und nicht ob es richtig ist), für die Konservierung der derzeitigen Biodiversität zu sorgen, also nicht nur gezielt das destruktive Handeln der Menschheit unwirksam zu machen und die Natur ab da ihren Lauf nehmen zu lassen (denn in dem Maßstab ist das eh nicht denkbar), sondern das tierische und pflanzliche Leben auf Erden in einer Art Momentaufnahme dessen festzuhalten, was der moderne Mensch in der Wildnis vorgefunden und vor einigen Jahrhunderten oder vielleicht Jahrtausenden mehr oder weniger systematisch zu schädigen und zu zerstören begonnen hat.

Mein Vater meinte auf diese von mir beiläufig geäußerte Frage hin neulich, es lohne sich vielleicht zu vermeiden, dass sich unsere Fauna in Richtung von Viehzeug fortentwickelt, das ideal ans Vegetieren in giftigen verschmutzten Müllsümpfen angepasst ist. Das mag eine Dramatisierung sein, aber vielleicht tatsächlich eine sinnvolle Begründung; als eigentliche Motivation des Artenschutzaktivismus überzeugt es mich allerdings nicht.

Vielleicht rührt ja der selbstverständliche Glaube an die menschliche Pflicht, die gesamte Natur zu schützen, von einer Art Gerechtigkeitsdenken: Die Menschheit ist verantwortlich für den meisten Schaden an der Umwelt und ihren Tier- und Pflanzenarten; deswegen obliegt ihr, den Schaden einzudämmen und wieder gut zu machen, soweit sie kann. Das kommt zwar mit den Kollektivpersonifikationen von Natur und Mensch etwas mystisch daher, hat aber vielleicht Resonanz mit einem wirklich tief verwurzelten menschlichen (oder meinetwegen gesellschaftlichen) Glauben an Schuld und Schuldigkeit.

Bei Gelegenheit will ich mich übrigens einmal ausführlich mit einem Thema auseinander setzen, das mich seit Jahren immer wieder beschäftigt und hier wieder zum Vorschein kommt, nämlich der Differenzierung von Kultur, Zivilisation, Mensch und Natur. Jetzt aber bleibe ich doch lieber beim Wetter und schließe mit Hugh Laurie:

It was trying to rain in a feeble, oh-I-can’t-really-be-bothered-with-this sort of a way. (The Gun Seller)

Das tut es nämlich.

5 Kommentare leave one →
  1. 11. August 2011 5:09 pm

    Ich finde die Einstellung vieler Umweltschützer durchaus unethisch, in dem Sinne, dass sie Vielfalt und letztlich ästhetische Fragen über das Leben von Individuen stellen.
    So billig es sein mag, ist der Hinweis für mich doch angemessen: Dass jeden Tag Tausende Schweine geschlachtet werden, ist für viele unbedenklich, aber Japan ist ein Staat von Unmenschen, weil sie hin und wieder mal angeblich zu Forschungszwecken einen Wal fangen?
    Ist Waleessen nicht sogar ein Gebot der Moral, denn schließlich müsste man davon viel weniger töten als Sardinen oder Lachse?
    Na gut, so einfach ist es auch wieder nicht, aber genau das ist mein Problem an den meisten Umwelt- und sonstigen Aktivisten: Dass sie es sich zu einfach machen.
    Ähm. Erkennt man noch irgendwie den Sinn dieses Kommentars?

  2. 11. August 2011 5:46 pm

    Oh, ich erkenne ihn. Und ich bin froh, dass du die Kritik übernommen hast, nachdem ich mich ja bemüht habe, bei einem neutralen Staunen zu bleiben.
    Es ist schon ein seltsamer Wertekatalog und -standard, der den meisten Tier- und Artenschützern so selbstverständlich erscheint. Die Beobachtung, dass manche Spezies beliebter sind als andere, ist eben nciht nur in der Werbung für die Anliegen dieser Gruppierungen relevant, sondern anscheinend auch für ihre eigene Motivation. Und sie sind ja die Guten, also warum sollten sie die in Frage stellen?

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