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Mark the difference for me. Mark it, please.

4. August 2011

Sprache ist schon etwas Seltsames, wenn man einmal darüber nachdenkt. Gerade wenn man zu formulieren versucht, wenn man ihr Zusammenspiel mit dem Denken und dem Prozess, Gedanken zu formen und zu artikulieren, betrachtet und vor allem wenn man im Denken und Formulieren zwischen verschiedenen Sprachen hin und her springt. Das tu ich im Moment und das tut im Übrigen auch das Textverarbeitungsprogramm, in dem ich diese Zeilen verfasse und das dahingehend programmiert ist, Sprachen zu erkennen und die Tastaturbelegung entsprechend ebenso automatisch anzupassen wie die orthographische und grammatische Korrektur; den ersten Satz dieses Eintrages wollte es partout nicht für deutsch halten, auch nachdem ich ihn mehrfach dahingehend gekennzeichnet hatte, und unterstrich immer wieder jedes Wort mit einer roten Zickzacklinie, statt mir zu glauben. Diese Hartnäckigkeit spiegelt wohl die Tendenz meiner Gedanken, immer wieder mitten im Satz ins Englische zu verfallen, die mich gerade mal wieder etwas deutlicher heimsucht als sonst und sich vielleicht auch in syntaktischen Anglizismen niederschlägt (die bitte ich zu entschuldigen).

An sich hätte es nahe gelegen, diesen Blog in englischer Sprache zu verfassen. Ginge es mir um eine zahlreiche Leserschaft, wäre es ja sehr unsinnig, ihn einem Milliardenpublikum vorzuenthalten, das des Deutschen nicht mächtig ist. Mir selbst liegt meine eigentliche Muttersprache mittlerweile kaum mehr als die eigentliche Fremdsprache; tatsächlich musste ich gerade einige Augenblicke nachsinnen, wie sich der Ausdruck it comes naturally to me überhaupt idiomatisch übersetzen ließe. Ich entschied mich aber, hauptsächlich beim Deutschen zu bleiben, und zwar vor allem weil ich keine Ernsthaftigkeit und Tiefsinnigkeit absichtlich weglassen mochte, die eine der englischen Sprache zugehörige Mentalität (oder wie auch immer man diese systematischen Eigenheiten von Denken, Sprache und Gepflogenheiten sonst nennen mag) verböte. (Ich spreche von der im wörtlichen Sinne Englischen; was amerikanisches oder generisches internationales Englisch anbelangt, habe ich andere, beinahe gegenteilige Vorbehalte.) Dass meine kaum kaschierte Vorliebe für völlig unnötig geschraubten Satzbau den Entschluss mitbestimmt hat, brauche ich gar nicht zu bestreiten. Und außerdem gibt es im Englischen halt keine solchen Konjunktive wie verböte.

Bei all diesen Überlegungen setze ich ganz selbstverständlich voraus, dass Sprache für die Inhalte, die sie kommuniziert, in vielerlei Hinsicht den Ton angibt; dass komplexe Gedanken immer sprachliche Aspekte haben; dass sich manches in manchen Sprachen kaum ausdrücken und vieles nicht ohne den Verlust irgendwelcher Nuancen in eine andere übersetzen lässt; dass, kurz gesagt, dieser Sketch (den ich übrigens sehr liebe) viel Wahres thematisiert. Nichtsdestoweniger hoffe ich eine einigermaßen englische (Selbst-)Ironie, Höflichkeit und Bescheidenheit (da hat man’s: in der Muttersprache fehlen mir für diese fremdländischen subtleties, so geläufig sie mir eigentlich sind, die rechten Worte) auch in mein verquastes deutsches Schreiben einfließen zu lassen.

Ach: Mit Mühe widerstehe ich alle paar Worte der Versuchung, die Sprache zu wechseln, und frage mich nun, warum eigentlich. Rücksicht auf eine Minderheit nicht anglophoner Leser kann es kaum sein, denn wer mein konvolutes Deutsch aushält, der wird auch ein wenig ggf. ungeläufiges englisches Vokabular verkraften können. The fact of the matter is, nämlich, that I set out to write this post with a view to exploring the intricacies of various English accents (and possibly German dialects as well, but let’s leave those aside for now) after I discovered what a palpable difference it makes for me to switch between my usual (near-)RP and the generic American accent that TV has inevitably taught me. The main difference may well be that the former feels more familiar, or familiar in a different way than the other – I have in fact hardly ever spoken to anyone in anything but an increasingly British accent (sometimes more posh than other times, according to the context, but all in all, quite consistent). What surprised me most, however, as I was listening to my thoughts in what I hope resembled standard American English closely enough was that I felt like I was assuming a different persona along with it, like I would gesture differently if I used it in actual speech, like I would structure my sentences differently than in the English I’ve become accustomed to over the last couple of years. – Das fand ich spannend, und mit diesem Gedanken beende ich auch den fremdsprachlichen Ausrutscher (Beschwerden monolingualer Leser, if any, bitte vernehmen lassen). Das Thema Sprache, Akzente und Dialekte (die ja auch im Deutschen hochinteressant sind) wird sicher in Bälde wieder Einzug in meine eklektischen Betrachtungen finden; fürs Erste aber verabschiede ich mich ins polyglotte Gewirr meiner unverschriftlichten Gedanken.

6 Kommentare leave one →
  1. Jemaine permalink
    7. August 2011 8:37 am

    Liebes Quiantrellchen,
    ähnlich wie dir beim Switchen zwischen den englischen Akzenten, geht es mir vielleicht beim Heimkehren, sprachlich wie regional: Bestimmte Landstriche mit ihren Dialekt(al)en (Färbungen) – seien sie auf der Straße, im Radio oder von Angesicht zu Angesicht aufgenommen – versetzen mich Mal für Mal in einen jeweils ganz bestimmten Gemütszustand, der einer Wahrnehmung meiner eigenen Person in diesen Sprachkreisen noch vorauszugehen scheint oder zumindeste parallel stattfindet. Im Modulieren meiner eigenen Sprache, was meine Wortwahl, Aussprache und die Komplexität der Gedanken personen- wie kontextbezogen betrifft, gelingt es mir wiederum die gegensätzlichsten Gefühle von einer Sekunde auf die nächste zu erzeugen und auch wieder verschwinden zu lassen, sodass welche Person auch immer gerade denkt oder spricht, sie für mich schon allein durch ihre Sprache, tatsächlich, einen sich beständig selbtbereichernden Fundus an Einstellungen, emotionalen Farben und Grundstimmungen bereit und genießbar hält!

    • 7. August 2011 2:53 pm

      Liebes Jemainchen,
      das Phänomen kenne ich auch gut – gerade weil ich im Prinzip Hochdeutsch als meine Muttersprache betrachte, allerdings herkunftbedingt mit zwei verschiedenen Dialekten vertraut genug bin, um, wenn’s der Anlass erfordert (gewisse Kartenspiele z.B. ..), sofort in sie zu verfallen. Und es kommen eben immer gleich regionale Manierismen, Einstellungen, thematische Vorlieben, Tiefgründigkeiten usf. mit. – Was mich angesichts dessen wiederum an den englischen Akzenten so fasziniert, ist, dass es ja eben nur Akzente sind und keine Dialekte, d.h. dass es eigentlich nur um die Aussprache geht, oder jedenfalls gehen sollte. Das tut es aber nie: Idiome und andere Idiosynkrasien in der Formulierung gehören eben auch dazu, selbst wenn es streng genommen keine eigenen Grammatiken gibt, und vielleicht ist das der Grund dafür, dass sich auch da bemerkenswerte Unterschiede auftun.
      Weil du vom Heimkehren sprichst: Wo fühlst du dich denn sprachlich gesehen besonders heimisch? Gibt’s für dich ein dialektales Zuhause?
      Grüße, Pardette x

      • Jemaine permalink
        11. August 2011 12:39 am

        Seit einigen Monaten schon betreibe ich sprachlichen Konformismus, und passe damit meine Zunge meinen realtiv häufigen Ortswechseln an. Besonders heimisch fühle ich mich beim Sprechen der unter meinen Freunden etablierten und stets weiterwachsenden Sozio-//Dialekte. – Und im Gefühl verstanden zu werden, egal was ich sage.

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